Eine kleine Wetterstation für ein große Region

Eine kleine Wetterstation für ein große Region

Was uns die Daten aus Ourtzagh über unser Klima, unsere Pflanzen und unsere Zukunft erzählen, und warum wir sie mit allen teilen.

Es gibt Momente in einem Projekt, in denen etwas Kleines plötzlich groß wird. Bei uns war es eine schmale Aluminiumstange, ein paar Sensoren, ein Solarpanel, kaum größer als eine Handfläche, und ein Funksender, der nicht viel mehr ist als ein Kästchen mit einer LED. Zusammen ergeben sie unsere neue Wetterstation. Und doch verändert sie, wie wir unser Land in Ourtzagh sehen.

Warum überhaupt eine Wetterstation?

Wer im Rif-Gebirge arbeitet, lernt schnell, dass das Wetter hier eigene Regeln hat. Die Sonne brennt anders als in der Ebene. Der Wind kommt mal aus dem Atlas, mal vom Mittelmeer. Der Regen fällt selten, dafür heftig. Und die Nacht kühlt im Sommer manchmal stärker ab, als man es einem afrikanischen Berg zutrauen würde.

Für unsere Heilpflanzen, unsere Oliven und unsere biodynamische Arbeit reicht es nicht, „ungefähr" zu wissen, wie das Wetter ist. Wir wollen genau verstehen, was passiert: wann der erste Frost kommt, wie viel Regen ein Jahr wirklich bringt, wann die Luftfeuchtigkeit für die Trocknung der Kräuter ideal ist, und ob unser Boden mehr Schatten oder mehr Sonne braucht.

[BILD 1: Aufbau der Station — Team beim Montieren der Sensoren oder beim Aufstellen der Stange auf dem Land. Bildunterschrift: „Der Aufbau der Wetterstation auf unserem Land, gemeinsam mit dem Team in Ourtzagh."]

Der Tag des Aufbaus

Der Aufbau selbst war ein kleines Fest. Wir haben einen sonnigen Vormittag gewählt, an dem der Boden noch leicht feucht war vom Tau. Taoufik hat den Standort mit uns ausgesucht: ein freier Punkt, weit genug von Gebäuden und Bäumen entfernt, damit Wind und Sonne ehrlich gemessen werden können.

Die Sensoren wurden Stück für Stück ausgepackt, geprüft und an der Stange befestigt. Regenmesser oben, Windrad daneben, Temperatur- und Feuchtigkeitsfühler in einem weißen Schutzgehäuse, das aussieht wie ein kleines Vogelhaus. Das Solarpanel zeigt nach Süden. Der Funksender im Haus blinkte schon nach wenigen Minuten, und auf dem Bildschirm erschienen die ersten Werte. Wir haben kurz gelacht: 21,4 Grad, 68 Prozent Luftfeuchtigkeit, kein Wind. Ein gewöhnlicher Vormittag, und doch war es der erste, den wir wirklich gemessen haben.

Was die Station misst

Unsere Station erfasst rund um die Uhr:

  • Temperatur (Außen und Innen)
  • Luftfeuchtigkeit
  • Niederschlagsmenge
  • Windgeschwindigkeit und Windrichtung
  • Luftdruck
  • Sonneneinstrahlung und UV-Index

Alle diese Werte werden automatisch ins Internet übertragen und stehen in einem übersichtlichen Dashboard zur Verfügung, das man von überall auf der Welt abrufen kann.

[BILD 3: Screenshot des Ecowitt-Dashboards mit den aktuellen Werten der Station. Bildunterschrift: „Das Dashboard unserer Wetterstation, live und für alle zugänglich."]

Ein Geschenk an unsere Nachbarschaft

Und genau hier kommt der Teil, der uns am meisten am Herzen liegt: Diese Daten sind frei. Für alle.

HIER GEHTS ZUM DASHBOARD

Wer auch immer in der Region von Ourtzagh und Umgebung Landwirtschaft betreibt, einen Garten pflegt, Bienen hält, ein Haus baut, oder einfach nur wissen möchte, wann es das letzte Mal richtig geregnet hat, kann unsere Station nutzen. Wir teilen unsere Daten öffentlich, weil wir glauben, dass Wissen über das eigene Klima nicht das Privileg einer einzelnen Farm sein sollte. Es gehört der Landschaft, in der wir alle leben.

Für die Bäuerinnen und Bauern in unserer Nachbarschaft, die seit Generationen den Himmel lesen, sind unsere Werte keine Konkurrenz zu ihrem Erfahrungswissen. Sie sind eine Ergänzung. Eine zweite Stimme. Ein Werkzeug, das man nutzen kann oder nicht, aber das immer zur Verfügung steht.

Wie man die Daten ansehen kann

Auf unserer Website findet sich der Link zum Live-Dashboard. Ein Klick, und man sieht, wie das Wetter gerade ist, wie es sich in den letzten Stunden verändert hat, wie der Tag verglichen mit den vorherigen verläuft. Es braucht keine Anmeldung, keine App, keine Daten, die man hinterlässt. Einfach öffnen und ansehen.

Was wir uns für die Zukunft wünschen

Diese Wetterstation ist erst der Anfang. Wir hoffen, dass die Daten über die Jahre wachsen und zu einer kleinen Klimachronik unseres Stücks Erde werden. Vielleicht werden andere in der Region eines Tages eigene Stationen aufstellen, und vielleicht entsteht so ein Netz, das die Mikroklimata des Rif sichtbar macht, Tal für Tal, Hang für Hang.

Bis dahin freuen wir uns einfach, jeden Morgen kurz auf das Dashboard zu schauen, bevor wir auf das Land gehen. Und zu wissen: Die Station arbeitet still für uns, und für alle anderen, die wissen wollen, wie der Himmel über Ourtzagh heute aussieht.