Heilungswege der Natur: Von Freiburg nach Ourtzagh

Heilungswege der Natur: Von Freiburg nach Ourtzagh

Heilungswege der Natur: Von Freiburg nach Ourtzagh

Warum ein interreligiöser Workshop in Freiburg und ein Frauenprojekt im Rif-Gebirge dieselbe Frage stellen

Am 12. und 13. Juni 2026 lädt die Interreligiöse Initiative Spiritualität und Ökologie in Freiburg zu einem zweitägigen Workshop ein: "Heilungswege der Natur – Trend oder Weisheit?" In der Evangelischen Studierendengemeinde (Turnseestraße 16) gehen die Teilnehmenden der Frage nach, welche Rolle Heilpflanzen in den religiösen Traditionen der Menschheit spielen, und was sie uns heute noch zu sagen haben.

Für uns bei Homeland Morocco ist diese Frage keine theoretische. Sie ist unser Alltag.

Heilpflanzen zwischen Trend und Weisheit

Heilkräuter erleben einen Boom. Tees, Tinkturen, Nahrungsergänzungsmittel: Der Markt wächst, und mit ihm die Gefahr, dass jahrhundertealtes Wissen zur Ware verkürzt wird. Der Freiburger Workshop nimmt genau diese Spannung in den Blick. Neben heilsamen Erfahrungen aus der Natur und spirituellen Zugängen aus christlicher und muslimischer Tradition steht auch ein kritischer Blick auf die Ökonomisierung von Heilpflanzen auf dem Programm.

Am Samstagvormittag spricht Susanna Blal, Präsidentin von Homeland Morocco e.V. und Expertin für Life Sciences, Digitalisierung im Gesundheitswesen und Medizinethik, über die politisch-ökologische Perspektive. Ihre Erfahrung aus Pharmaindustrie, Gesundheitswesen und integrativer Medizin macht deutlich: Die Frage "Trend oder Weisheit?" lässt sich nicht am Schreibtisch beantworten. Man muss dorthin gehen, wo das Wissen lebt.

Wo das Wissen lebt: Das Frauenprojekt in Ourtzagh

In Ourtzagh, einem Dorf in der Provinz Taounate im marokkanischen Rif-Gebirge, arbeitet ein Team lokaler Frauen daran, genau dieses Wissen zu bewahren. Auf unserem vier Hektar grossen Feld und in den Hügeln rund um das Dorf dokumentieren sie die Heilpflanzen ihrer Heimat: welche Pflanze wann gesammelt wird, wie sie zubereitet wird, bei welchen Beschwerden sie hilft, und welche Geschichten sich mit ihr verbinden.

Vieles davon ist amazighisches Wissen, mündlich überliefert von Müttern an Töchter, über Generationen. Es steht in keinem Lehrbuch. Wenn es nicht aufgeschrieben wird, verschwindet es.

Die Frauen erfassen ihre Beobachtungen systematisch, direkt im Feld, mit digitalen Erhebungsbögen auf dem Smartphone. So entsteht Schritt für Schritt ein ethnobotanisches Archiv: wissenschaftlich anschlussfähig und zugleich tief verwurzelt in der Kultur des Ortes. Das Projekt schafft dabei mehr als Dokumentation. Es gibt den Frauen eine bezahlte, sinnstiftende Arbeit, macht ihr Wissen sichtbar und stärkt ihre Rolle als Expertinnen ihrer eigenen Landschaft.

Biodynamisch denken, lokal handeln

Das Frauenprojekt ist Teil des "Garten der Sinne", unseres biodynamischen Gemeinschaftsprojekts in Ourtzagh. Inspiriert vom SEKEM-Modell in Ägypten und der anthroposophischen Landwirtschaft verbinden wir dort Heilpflanzenanbau, Bildung und Begegnung. Drei Worte fassen zusammen, worum es geht: Heilen, Wachsen und Begegnen.

Der Anbau von Heilkräutern nach biodynamischen Grundsätzen ist für uns die praktische Antwort auf die Frage des Freiburger Workshops. Heilpflanzen sind keine Ware wie jede andere. Sie verbinden Mensch, Boden und Schöpfung, und wer sie anbaut, übernimmt Verantwortung für alle drei. Genau deshalb gehören Pflanzenwissen und Frauenförderung bei uns zusammen: Die Hüterinnen des Wissens sollen auch wirtschaftlich von ihm getragen werden, statt zuzusehen, wie es andernorts vermarktet wird.

Kommen Sie ins Gespräch

Der Workshop in Freiburg versteht sich als interreligiöse Spurensuche, getragen von christlichen und muslimischen Stimmen, offen für alle. Die Teilnahme erfolgt auf Spendenbasis. Wer wissen möchte, wie aus der Weisheit der Heilpflanzen konkrete Projekte werden, vom Rif-Gebirge bis nach Basel, ist herzlich eingeladen.

Heilungswege der Natur – Trend oder Weisheit? Freitag, 12. Juni 2026, 16:00 Uhr bis Samstag, 13. Juni 2026, 14:00 Uhr Ev. Studierendengemeinde, Turnseestrasse 16, Freiburg Anmeldung über die Website der KHG Freiburg, solidarischer Beitrag auf Spendenbasis

Und wer das Frauenprojekt in Ourtzagh direkt unterstützen möchte: Als Mitglied von Homeland Morocco e.V. tragen Sie dazu bei, dass dieses Wissen bewahrt wird und die Frauen, die es hüten, davon leben können. Mehr dazu auf unserer Seite "Mitglied werden".